Musiktalente begeistern Publikum

Kreisjugendblasorchester: Umjubelter Auftritt am Samstag in der Tauberbischofsheimer Stadthalle / Fleißige Probenarbeit zahlte sich aus

Fränkische Nachtrichten

Nach einer harten Probenwoche spielte das Kreisjugendblasorchester (KJBO) in Tauberbischofsheim und Weikersheim gewaltig auf und begeisterte das Publikum über alle Maßen.

Tauberbischofsheim.  Vor  vollem Haus zu spielen ist der Traum jedes Musikers und jeder Musikerin. Dieses Kunststück gelang dem Kreisjugendblasorchester  (KJBO)  in  der Stadthalle  in  Tauberbischofsheim. „Es  tut  uns  allen  gut,  dass  solche Konzerte  nach  zwei  Jahren  wieder stattfinden  können“,  freute  sich nicht nur Landrat Christoph Schauder in seinem Grußwort. Alle Musikbegeisterten in Saal empfanden genauso, vor allem die jungen Künstler und Künstlerinnen mit ihren Instrumenten. Es war ein „kleines Jubiläumskonzert“,  denn  das  Orchester wurde  2016  unter  dem  damaligen Landrat Reinhard Frank gegründet. Er, sowie viele weitere Kreisräte und Bürgermeister  waren  ebenfalls  im Saal anwesend, um der Musik zu lauschen.

Dozenten gewürdigt
Der  Main-Tauber-Kreis  ist  zusammen  mit  dem  Verein  Taubertäler Bläsertage Veranstalter. Doch ohne Sponsoren wäre so eine Orchesterwoche für die Nachwuchskünstler in der  Region  überhaupt  nicht  denkbar. Die Sponsorengelder sind hervorragend  angelegt, fand nicht nur Landrat Schauder.

Dirigentin  Julia  Köstlin,  selbst Dozentin  für  Klarinetten,  und  die weiteren  Dozenten  Michael  Geiger(Hohes Blech), Hubert Holzner (Tiefes Blech), Ralf Schweizer (Saxophone),  Simone  Werner  (Flöten)  und Martin Scheffel (Schlagwerk) hatten in den vergangenen vier Tagen hervorragende  Arbeit  geleistet.  Man merkte  den jugendlichen  Spielern und Spielerinnen an, dass die Instrumente  in  den  Zeiten  von  Corona vielfach weniger genutzt worden waren. Deshalb hatte Dirigentin Köstlin in Absprache entschieden, dass zwei Stücke,  die  im  Programmheft  stehen,  nicht  gespielt  werden.  „Kommen sie einfach nächstes Jahr wieder, dann hören sie auch diese Lieder“, lud Julia Köstlin ein, dem Or-chester auch im kommenden Jahr zu lauschen.

Dirigentin auf Lebenszeit
Da traf es sich gut, dass Frank Mittnacht  vom  Kulturamt  des  Main-Tauber-Kreises  im  Überschwang der Begeisterung der Dirigentin eine lebenslange  Anstellung  zusicherte. Was sie in den letzten Tagen mit ihren  Kollegen  und  Kolleginnen  geleistet habe, sei außerordentlich.
Als  diese  Worte  fielen,  war  das Konzert  in  Tauberbischofsheim schon  fast  vorbei,  doch  die  Musik hatte  sich  in  die  Herzen  der  Menschen eingebrannt. Und so brandete tosender Beifall nach Mittnachts Äußerung auf.
Vor allem die Angehörigen wussten, was es für eine Leistung war, die schweren Stücke, wie „The Voice of the  Vikings“  von  Michael  Geissler, welches in Tönen das Leben der Wikinger beschreibt mit seinen vielen Taktwechseln  und  unterschiedlichen  Soli  einzelner  Instrumentengruppen oder der Südstaatenhymne „Proud Mary“ von John Fogerty, das vor  allem  durch  die  Interpretation von  Tina  Turner  oder  Elvis  Presley Weltruhm erlangte, zu spielen.
Richtige Gänsehaut im Saal kam beim Stück „Music“ des unvergessenen John Miles auf, in dem er seine Liebe zur Musik erzählt. „Musik war meine erste Liebe und sie wird meine letzte sein“, heißt es im Text und diese Liebe zur Musik merkte man auf der Bühne bei jedem Spieler undjeder  Spielerin.  Sie  alle  gaben  ihr Bestes, um die Menschen im Saal zu unterhalten.  Vergessen  waren  die Mühen der Proben, die einige an den Rand  ihrer  Leistungsfähigkeit  gebracht  hatten.  Doch  dank  der  einfühlsamen Arbeit der Dozenten und von Dirigentin Julia Köstlin, die einfach  ein  Händchen  für  Motivation und  Begeisterung  hat,  gelang  ein kunstvoller Abend mit konzertanter Blasmusik, wie ihn die Teilnehmenden in ihren heimischen Blaskapellen meist selten erleben.
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum  sich  jedes  Jahr  etwa  55  Jugendliche  in  der  zweiten  Osterwoche  treffen,  um  gemeinsam  mit Köstlin ein Konzertprogramm zu erarbeiten, das mit vielen Auswahlorchestern  mithalten  kann.  Dabei passt  der  Stärkere  auf  den  Schwächeren auf und unterstützt ihn in der Verbesserung  von  Technik  und Spiel,  wann  immer  möglich.  „Hiergibt es noch immer schwere Stücke, die  mir  viel  Spaß  machen“,  nennt Felix Both aus Heckfeld eine Motivation,  warum  er  als  Trompeter am KJBO teilnimmt. „Man kann immer noch  was  lernen,  auch  wenn  man schon fünf Jahre dabei ist“.
Zusammen  mit  Andreas  Gabel (Tenorsaxophon)  aus  Löffelstelzen ist er am längsten dabei und wurde dafür von Landrat Schauder mit der silbernen Ehrennadel des KJBO ausgezeichnet. „Heute soll die Musik im Mittelpunkt stehen“, hatte der Landrat bei der Laudatio noch gesagt undwas danach folgte, war ein fulminanter Auftritt, wie ihn die Stadthalle selten erlebt hatte. Kein Bein, das nicht mitwippte und keine Hand, die sich auf die Schenkel schlug, alle Zuhörer und Zuhörerinnen waren restlos begeistert von dem Konzert in Tauberbischofsheim.  Ein  weiterer  Auftritt des  KJBO  erfolgte  am  Sonntag in Weikersheim.
Die einzelnen Lieder wurden übrigens von den Musizierenden selbst angesagt, so nebenbei. Das sah aber nur so aus, verriet Amelie Weber aus Vilchband. Sie und Hanna Wittstock von der Bläserjugend Wittighausen übernahmen vor der Pause die Einführung in die Stücke, Felix Both und Noah  Herbst  (Hardheim)  nach  der Pause. Jeder nutzte dabei seine Fähigkeiten, dem Publikum die Lieder und Hintergründe näherzubringen. Dabei  waren  sie  ebenso  professionell, wie an ihren Instrumenten.

Stehende Ovationen
Kein  Wunder,  dass  es  nach  dem Konzert  stehende  Ovationen  gab, die minutenlang anhielten, und die Musikerinnen und Musiker zu zwei Zugaben  animierten.  Doch  mehr ging dann wirklich nicht mehr, die Erschöpfung setzte ein. Das Konzert hatte den Talenten alles abverlangt. Trotzdem  wollen  sie  alle  im  kommenden Jahr  wiederkommen und erneut  mit  dem  KJBO  auftreten. Schließlich sei man eine große Familie,  fand  Frank  Mittnacht  abschließende Worte.